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Money for nothin‘ – and cheques for free?

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In letzter Zeit häuften sich ja immer wieder die Schlagzeilen, dass die EZB einen Tender in Höhe von 100, 200 usw. Milliarden(!) Euro an die Banken zuteilt. Was heißt das nun genau? Wird dort einfach Geld gedruckt? Und was kostet das die Banken, oder kriegen die den Scheck, quasi Hartz IV ähnlich, als Unterstützung?

Love me, Tender…

Tender wird im englischen ein Angebot oder eine Ausschreibung genannt, hat also indirekt tatsächlich etwas mit der maritimen Variante, dem Versorgungsschiff, zu tun.

Die Tender sind Teile des Offenmarktgeschäfts der EZB, mit der sie hauptsächlich die Zinsen und die Liquiditätslage der Banken steuert. Die Geschäftsbanken erhalten hierdurch den Hauptteil Ihres Geldes, jedoch gegen Hinterlegung von Sicherheiten, in der Regel bonitätsstarke Wertpapiere wie Staatsanleihen.

Es wird zwischen Haupttender, Basistender und Schnelltender unterschieden.

Über den Haupttender refinanzieren sich die verschiedenen Banken hauptsächlich. Dieser wird über eine Laufzeit von i.d.R. 1 Woche und das sog. amerikanische Auktionsverfahren zugeteilt. D.h. dass jeden Bank ein Angebot über den Zinssatz macht, zu dem sie bereit ist sich das Geld bei der EZB zu leihen. (Warum Banken sich überhaupt Geld von der EZB leihen werde ich in einem späteren Artikel beschreiben).

Hierdurch wird sichergestellt, dass diejenigen Banken, die das Geld am dringendsten brauchen und damit auch bereit sind höheren Zinsen zu zahlen, es auch bevorzugt erhalten. Haupttender werden normalerweise jede Woche angeboten. Das Bieterverfahren läuft über E-Mail und PIN.

Der Basistender dient der längerfristigen Refinanzierung. Er wird nur jeden Monat angeboten, dafür mit einer Laufzeit von 3 oder 6 Monaten. Beide Tender werden von den nationalen Zentralbanken durchgeführt.

Im Gegensatz zu den beiden zuvor genannten Tendern dient der Schnelltender zur Feinjustierung bei Liquiditätsschwankungen und wird somit nur im Bedarfsfall durchgeführt. Ausschreibung und Abwicklung läuft hier in ca. 1-2 Stunden ab und es wird nicht selten nur eine begrenzte Zahl von Kreditinstituten berücksichtigt. Die Laufzeiten sind hier nicht festgelegt, sondern können sich von Fall zu Fall ändern. Diese Tender können sowohl Geld zu- als auch abführen.

In der Zeit vom 04. Jan. 2008 bis 9.Okt. 2008 wurden 41 Haupttender mit einer Laufzeit von 7 Tagen und Zinssätzen von 4,21 und 4,96 %, sowie 19 Basistender mit Laufzeiten von 90 und ca. 180 Tagen bei Zinssätzen von 4,23 bis 5,76 % durchgeführt.

Die Tendergrößen lagen dabei bei den Haupttendern zwischen 128 Milliarden und 250 Milliarden Euro, bei den Basistendern zwischen 25 und 120 Milliarden Euro. Regelmäßig war der nachgefragte Betrag durch die Kreditinstitute höher, teilweise sogar doppelt so hoch.

(Quelle: http://www.bundesbank.de/download/presse/publikationen/REFD.pdf)

Am 09.10.2008 wurde dagegen z.B. ein Schnelltender in Höhe von 24,682 Milliarden Euro bereitgestellt, für den 99 Bieter (Kreditinstitute) mit boten. Hier handelte es sich allerdings um einen sog. Mengentender, d.h. es wurde nicht ein gewünschter Zinssatz geboten, sondern die gewünschte Menge. Die Laufzeit betrug 6 Tage bei einem festgelegten Zinssatz von 3,75%.

(Quelle : http://www.bundesbank.de/download/gm/tender/2008/20081009QT.pdf)

Somit wird folgendes klar, die Banken erhalten das Geld nicht kostenfrei, sondern müssen dafür einen bestimmten Zinssatz entrichten und Sicherheiten hinterlegen.

Die Tender dienen dazu, die Liquiditätslage zu steuern.

Wo kommt das Geld nun her? Nun, es ist nicht so, dass hier Papiergeld wie wir es kennen verschoben wird. Das wäre logistisch gar nicht möglich, außerdem könnten mehrere zig- oder gar hunderte Milliarden Euro so schnell gar nicht gedruckt werden. Auch ändert sich der reale Bargeldbedarf einer Volkswirtschaft kurzfristig nur minimal, wenn überhaupt nennenswert.

Geld ist inzwischen zum größten Teil nur noch virtuell vorhanden. Als Bits und Bytes in Bankcomputern, was wir dann beim Blick auf unser Konto als Kontostand wahrnehmen. Wenn jetzt Kunde KA der Bank BA einen Betrag an Kunden KB der Bank BB überweist, dann wird auf dem Konto der Bank BA bei der Notenbank dieser Betrag auf das Konto der Bank BB überwiesen. Diese schreibt es dann wiederum dem Kunden KB auf seinem Konto gut. Somit kann es passieren, dass manche Banken mehr Geld bei der Notenbank hinterlegt haben, als von der Notenbank gefordert (die sog. Mindestreserve).

Dieser Überschuss wird in normalen Zeiten wiederum von dieser Bank an eine andere Banken verliehen, die gerade nicht genug hinterlegt haben. Da sich zur Zeit die Kreditinstitute aber gegenseitig nicht trauen, verleihen sie ihr Geld auch nicht, sondern horten es bei der EZB. Somit droht manchen Banken ein Liquiditätsengpass, teilweise mit ernsten Folgen.

Hier kommt die EZB ins Spiel. Sie leiht den klammen Banken Geld und bekommt, wie oben beschrieben, im Gegenzug Wertpapiere. Es wird also in dem Sinne kein neues Geld erschaffen, sondern es werden nur Vermögenswerte verschoben. Die notleidende Bank erhält eine Buchung mit der Ihre Einlage bei der EZB erhöht wird (und somit wieder die Mindestgröße erreicht), die EZB erhält eine Buchung mit den Wertpapieren als Pfand.

Die Notenbank kann Kreditgeschäfte aber auch ohne Pfand betreiben, hier ist dann die Geldschöpfung theoretisch unbegrenzt. Allerdings kann sie ja auch durch Schnelltender wieder dem Markt Liquidität entziehen.

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Written by erikmilsch

Oktober 15, 2008 at 2:55 pm

Veröffentlicht in Banken, EZB, Finanzkrise

Die Finanzkrise – Alter Schwede!

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Heute scheint ein Massaker an den europäischen Börsen abgemachte Sache zu sein. Gibt es dafür wirkliche Gründe? Etwas was diesen Sturz gen Süden erklärt? Nein, wie immer wenn blanke Panik an den Märkten herrscht gibt es keine neuen negativen Nachrichten. Es ist wie in einer Stampede, ein paar laufen wie verrückt vorne weg und die Herde folgt, blind und schnell. Wer sich davor stellt und sie aufhalten will…. hat Pech.

Alle Welt spricht inzwischen von der Bankenkrise und dass dies das Ende der Wirtschaft sei wie wir sie kennen. Etwas Vergleichbares hat es noch nie gegeben und Schuld sind die Banker und Ihre neuen, komplizierten Produkte die selbst die Risikomanager der Banken nicht mehr verstanden haben. Aber ist das wirklich so? Ist das alles so neu?

Schauen wir uns mal Schweden vor über 20 Jahren an. In den 80er Jahren boomte es in Schweden gewaltig. Die Realzinsen und das geltende Steuerrecht sorgten dafür, dass Investitionen in Immobilien sehr lukrativ erschienen. Da die Einkommensteuer in Schwede sehr hoch war und man bis zu 50% der Kreditzinsen steuerlich geltend machen konnte stiegen durch die hohe Nachfrage nach Immobilien deren Preise. Im selben Zeitraum wurden die Banken bei der Vergabe von Krediten immer sorgloser. Zusätzlich machte die hohe Inflation das Aufnehmen von Krediten interessanter. Dies führte zu einer weiteren Verschärfung der Immobilienblase. Allein zwischen 1987 und 1993 wurden Immobilien im Wert von 400 Mrd. Kronen gebaut. Der größte Teil voll beliehen. Bis dahin kommt uns das doch irgendwie bekannt vor, oder? Was fehlt sind die spannenden und hoch komplizierten Finanzinstrument die heute so verteufelt werden. Aber das Grundszenario ist das gleiche.

Anfang der 90er Jahre dann platzte die Blase. Die Konjunktur schwächte sich ab, die Immobilienpreise fielen und die schwedische Krone kam unter Druck (wo steht der Dollar zur Zeit ggü. dem Euro?). 1990 mußte dann die erste Bank Konkurs anmelden. Im Herbst 1991 dann erfasste die Krise auch die erste Großbank, die Nordbanken, heute Nordea. Das zu dem Zeitpunkt zum größten Teil in staatlichem Besitz stehende Kreditinstitut wurde komplett verstaatlicht und 1993 mit der ebenfalls am Rande des Ruins stehenden und ebenfalls verstaatlichten Götabanken verschmolzen.

Zu diesem Zeitpnukt saßen die schwedischen Banken auf faulen Krediten in der Höhe von knapp 200 Mrd. Kronen. 1992 stand dann auch die erste Sparkasse vor dem aus. Alles in allem wurden die faulen Kredite der Banken in sogen. Bad Banks ausgelagert. Am 24. September 1992 erweiterte die schwedische Regierung dann Ihre Garantien auf alle(!) Banken und für alle(!) Gläubiger. Diese Maßnahme stellte das Vertrauen in die Banken wieder her.

Was folgte war eine komplett umgekrempelte Bankenlandschaft. Vier große Banken teilten sich den größten Teil des Marktes. Hierdruch war der Wettbewerb wie man Ihn vorher kannte praktisch verschwunden. Die Banken war dadurch in der Lage ihre Gewinnmargen massiv zu erhöhen und konnte somit einen Teil ihrer Verluste recht schnell ausgleichen. Parallel dazu wurden Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet mit der Folge das kurze Zeit später Schwedens Banken zu den ertragreichsten der Welt gehörten.

Die Kosten dieser Rettungsaktion für den schwedischen Staat beliefen sich mit 65 Mrd. Kronen zunächst auf ca. 4% des Bruttoinlandproduktes. 1997 hatte sich durch die erstarkte Wirtschaft dieser Wert auf 2% reduziert. Inzwischen haben neuere Studien ergeben, dass der schwedische Staat sogar mit einem kleinen Plus aus der Sache gekommen ist.

Natürlich läß sich dieses Beispiel nicht eins zu eins auf die jetzige Situation übertragen, aber es hilft meiner Meinung nach die Sache etwas weniger fatalistisch zu sehen. Ausserdem schärft es den Blick auf ein potentiell lukratives Investment. Die überlebenden Banken. 🙂

Darum : Banken will get Milsch!

Interessante Lektüre :

Im Gespräch: Bo Lundgren: „Ich hätte nie gedacht, dass wir das nochmal machen müssen“

Wie andere Länder ihren Banken aus der Klemme helfen, Handelsblatt 18.03.2008

Written by erikmilsch

Oktober 10, 2008 at 1:08 pm

Veröffentlicht in Börse, Finanzkrise