Got Milsch?

Komplizierte Welt, einfache Lösungen

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Die Finanzkrise – Alter Schwede!

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Heute scheint ein Massaker an den europäischen Börsen abgemachte Sache zu sein. Gibt es dafür wirkliche Gründe? Etwas was diesen Sturz gen Süden erklärt? Nein, wie immer wenn blanke Panik an den Märkten herrscht gibt es keine neuen negativen Nachrichten. Es ist wie in einer Stampede, ein paar laufen wie verrückt vorne weg und die Herde folgt, blind und schnell. Wer sich davor stellt und sie aufhalten will…. hat Pech.

Alle Welt spricht inzwischen von der Bankenkrise und dass dies das Ende der Wirtschaft sei wie wir sie kennen. Etwas Vergleichbares hat es noch nie gegeben und Schuld sind die Banker und Ihre neuen, komplizierten Produkte die selbst die Risikomanager der Banken nicht mehr verstanden haben. Aber ist das wirklich so? Ist das alles so neu?

Schauen wir uns mal Schweden vor über 20 Jahren an. In den 80er Jahren boomte es in Schweden gewaltig. Die Realzinsen und das geltende Steuerrecht sorgten dafür, dass Investitionen in Immobilien sehr lukrativ erschienen. Da die Einkommensteuer in Schwede sehr hoch war und man bis zu 50% der Kreditzinsen steuerlich geltend machen konnte stiegen durch die hohe Nachfrage nach Immobilien deren Preise. Im selben Zeitraum wurden die Banken bei der Vergabe von Krediten immer sorgloser. Zusätzlich machte die hohe Inflation das Aufnehmen von Krediten interessanter. Dies führte zu einer weiteren Verschärfung der Immobilienblase. Allein zwischen 1987 und 1993 wurden Immobilien im Wert von 400 Mrd. Kronen gebaut. Der größte Teil voll beliehen. Bis dahin kommt uns das doch irgendwie bekannt vor, oder? Was fehlt sind die spannenden und hoch komplizierten Finanzinstrument die heute so verteufelt werden. Aber das Grundszenario ist das gleiche.

Anfang der 90er Jahre dann platzte die Blase. Die Konjunktur schwächte sich ab, die Immobilienpreise fielen und die schwedische Krone kam unter Druck (wo steht der Dollar zur Zeit ggü. dem Euro?). 1990 mußte dann die erste Bank Konkurs anmelden. Im Herbst 1991 dann erfasste die Krise auch die erste Großbank, die Nordbanken, heute Nordea. Das zu dem Zeitpunkt zum größten Teil in staatlichem Besitz stehende Kreditinstitut wurde komplett verstaatlicht und 1993 mit der ebenfalls am Rande des Ruins stehenden und ebenfalls verstaatlichten Götabanken verschmolzen.

Zu diesem Zeitpnukt saßen die schwedischen Banken auf faulen Krediten in der Höhe von knapp 200 Mrd. Kronen. 1992 stand dann auch die erste Sparkasse vor dem aus. Alles in allem wurden die faulen Kredite der Banken in sogen. Bad Banks ausgelagert. Am 24. September 1992 erweiterte die schwedische Regierung dann Ihre Garantien auf alle(!) Banken und für alle(!) Gläubiger. Diese Maßnahme stellte das Vertrauen in die Banken wieder her.

Was folgte war eine komplett umgekrempelte Bankenlandschaft. Vier große Banken teilten sich den größten Teil des Marktes. Hierdruch war der Wettbewerb wie man Ihn vorher kannte praktisch verschwunden. Die Banken war dadurch in der Lage ihre Gewinnmargen massiv zu erhöhen und konnte somit einen Teil ihrer Verluste recht schnell ausgleichen. Parallel dazu wurden Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet mit der Folge das kurze Zeit später Schwedens Banken zu den ertragreichsten der Welt gehörten.

Die Kosten dieser Rettungsaktion für den schwedischen Staat beliefen sich mit 65 Mrd. Kronen zunächst auf ca. 4% des Bruttoinlandproduktes. 1997 hatte sich durch die erstarkte Wirtschaft dieser Wert auf 2% reduziert. Inzwischen haben neuere Studien ergeben, dass der schwedische Staat sogar mit einem kleinen Plus aus der Sache gekommen ist.

Natürlich läß sich dieses Beispiel nicht eins zu eins auf die jetzige Situation übertragen, aber es hilft meiner Meinung nach die Sache etwas weniger fatalistisch zu sehen. Ausserdem schärft es den Blick auf ein potentiell lukratives Investment. Die überlebenden Banken. 🙂

Darum : Banken will get Milsch!

Interessante Lektüre :

Im Gespräch: Bo Lundgren: „Ich hätte nie gedacht, dass wir das nochmal machen müssen“

Wie andere Länder ihren Banken aus der Klemme helfen, Handelsblatt 18.03.2008

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Written by erikmilsch

Oktober 10, 2008 at 1:08 pm

Veröffentlicht in Börse, Finanzkrise